Freitag, 6. November 2015

Let's talk about food, baby!

Ihr Lieben,

heute entführe ich euch auf eine kleine kulinarische Reise nach Madagaskar! 


Typisch madagassisch ist diese Spezialität - ein Mouffe AkunjoMouffe bedeutet übersetzt Brot und Akunjo Banane. Dieses frittierte Bananenbrot ist ähnlich einer gebackenen Banane beim Chinesen, nur mit mehr Teig. Und es ist so so so lecker! Ein Stand gegenüber von unserem Haus verkauft sie für 100 Ariari pro Stück - das sind knapp 3 Cent. Da müssen wir natürlich ab und zu zuschlagen.



Auch typisch madagassisch ist dieses Gericht: Riz au bol renverse. Dabei handelt es sich um Reis mit zu feinen Streifen geschnittenen Bohnen, Möhren und Zucchini und Hähnchen sowie Zebu Fleisch Stückchen, getoppt mit einem Spiegelei. Das Gericht ist besonders lecker in einem kleinen madagassischen Restaurant die Straße runter. Dort kostet es 3000 Ariari, ungefähr 80 Cent. 

Die Menschen auf Madagaskar essen klassisch dreimal täglich Reis, also zum Frühstück, Mittag und Abendessen. Nur die reicheren Familien können sich eine Gemüsebeilage leisten und am Sonntag etwas Fleisch dazu, da Gemüse und Fleisch im Verhältnis sehr teuer sind. 



Dieses Zebu Steak in Rotweinsauce mit Pommes habe ich an unserem Wochenendtrip zu den Lemuren gegessen. Es war ein sehr touristisches Restaurant, deshalb gab es dort Pommes. Was man auf Madagaskar aber überall Essen kann ist das Zebu Steak. War super lecker!

Ein Zebu ist ein Rind mit einem Höcker am Hals, indem es Wasser speichern kann, genauso wie das Kamele machen. Auf Madagaskar sind Zebu heilige Tiere, und wenn man ein großes Fest feiert wird zur Feier des Tages ein Zebu geschlachtet.




In einem französischen Restaurant habe ich dieses Gericht gegessen: Entenbrust in grüner Pfeffer Sauce mit Kartoffelecken. Auch das hat sehr gut geschmeckt. Die grüne Pfeffer Sauce bekommt man hier in vielen europäisch angehauchten Restaurants. Da dieses Restaurant etwas schicker war hat das Essen 14.000 Ariari, ca. 3,80 gekostet. 



Die meiste Zeit kochen wir aber natürlich selber, was deutlich billiger ist. Die frischen Lebensmittel holen wir auf einem kleinen Markt, der ca. 5 min zu Fuß von unserem Haus entfernt ist. Dort gibt es alles, was hier regional so wächst: Reis, Kartoffeln, Zucchini, Bananen, Mangos und vieles mehr. 


Abgepackte Dinge wie Milch und Nudeln bekommt man hier überall in klein Shops an der Straße, sie sind aber im Verhältnis sehr teuer. Außerdem gibt es ein Dorf weiter einen Supermarkt mit europäischen Ausmaßen, wo man wirklich alles kriegt, wenn man das Geld dafür hat. Kinderriegel, Schokoweihnachtsmänner, Syoss Shampoo - alles kein Problem, wenn man bereit ist deutlich mehr zu bezahlen. 



Ich koche hier immer vegetarisch. Das Fleisch wird hier nämlich wie auf dem Foto verkauft - nicht gekühlt und schön voller Fliegen. Da verzichte ich lieber und gönne mir ab und zu etwas im Restaurant. Denn Fleisch kann man hier eigentlich mit einem besseren Gewissen essen als in Europa, Massentierhaltung kennt man hier nicht. 



Nun noch kurz zum Three Horse Beer - einem auf Madagaskar gebrauten Bier, welches man hier überall bekommt. Eine Flasche ist 0,65 l groß und kostet ca. 50 Cent. Und es schmeckt wirklich gut, besonders die Fresh Variante mit Limonade gemixt, die dann nur noch 1% Alkohol hat. Gekühlt bei dem Wetter hier ein Traum!

Ihr seht also, kulinarisch und auch sonst bin ich hier gut versorgt! Das einziges was ich wirklich vermisse ist Brot und Käse. Als Brot gibt es hier nur trockenes Baguette und Käse bekommt man zwar, aber ein 500 Gramm Stück kostet 12 Euro. Leider viel viel zu teuer! 
Aber die Käse und Brot Abstinenz lässt sich mit frischen Mangos jeden Tag auf jeden Fall meistern!

Das war es für heute. Morgen fahren wir eine Woche weg, gucken uns an was Madagaskar im Nordwesten in der Nähe von Majanga so zu bieten hat und entspannen uns am Strand. Ich freue mich schon total und werde natürlich davon berichten! 

Lasst es euch gut gehen,
eure Rieke 




Sonntag, 1. November 2015

Ein Highlight und Halloween

Ihr Lieben,

endlich wieder fit konnte ich in der letzten Woche richtig durchstarten.
Ich habe zum ersten Mal alleine unterrichtet. Das war ziemliches Gehirn-Jogging, da ich Englisch auf Französisch unterrichten muss. Ganz schön anstrengend, aber macht Spaß!

Ich habe nun doch die ältesten Schüler, die gerade auf ihren Abschluss der 10. Klasse hinarbeiten.
Das Niveau des Englischunterrichts ist in keiner Weise mit dem in Deutschland zu vergleichen. Die Schüler kennen fast keine Vokabeln und wussten z.B. nicht, was talk übersetzt heißt. Trotzdem sollen sie Grammatik lernen. Wenn man die ganzen Beispielsätze nun aber nicht versteht ist es sehr schwierig, die neue Grammatik zu verstehen. Aber irgendwie habe ich mich mit denen durchgewurschtelt, jedes Wort auf Französisch übersetzt und hatte nach zwei Stunden wirklich das Gefühl, dass die Kinder was mitgenommen haben.


Am Mittwoch fand bei Akany Avoko, dem Kinderheim, in dem wir helfen, eine Show für die Kinder des Heims statt. Diese wird einmal im Jahr von den Frauen, die sonst auf die Kinder aufpassen und sowohl Bezugs- als auch Autoritätsperson sind, veranstaltet.

Die Betreuerinnen hatten mehrere Tänze und Lieder vorbereitet, die sie mit voller Leidenschaft performt haben. Ungefähr 80 Kinder waren als Zuschauer versammelt und haben die Stimmung angeheizt. Sie sind komplett ausgeflippt, haben geschrien vor Freude und sich vor Lachen nicht mehr eingekriegt.



Für einige Songs verkleideten sich die Betreuerinnen sogar. Das fanden die Kinder natürlich super cool, da sie die Frauen ja sonst immer nur recht streng erleben. Diese ausgelassene Show war also eine super Abwechslung für die Kinder. Die Stimmung war so locker wie ich es hier noch nicht erlebt habe.

Besonders schön waren die Lieder, bei denen alle Kinder aus voller Kehle mitsingen konnten. Hier ist es auch einfach Teil der Kultur, sich nicht zurückzuhalten sondern voll mitzumachen.

Am Ende wurde die Tanzfläche für alle eröffnet. Die Kids hatten sich diese sowieso schon halb erobert. Keiner blieb sitzen, da die Kleinen auch einfach zu hartnäckig waren, einem madagassische Tänze zeigen zu wollen. Das hat super viel Spaß gemacht und war bis jetzt definitiv das Highlight meines Aufenthalte hier.


Ich habe leider keine Fotos davon gemacht, wie wir alle ausgelassen getanzt haben, aber in solchen Momenten will man dann auch nicht am Rand stehen und Fotos machen sondern dabei sein und mit den Kindern Spaß haben.

Wir Freiwilligen haben schon beschlossen, so etwas in der Art an Weihnachten auch für die Kinder zu machen. Denn so viele strahlende Augen auf einem Haufen habe ich noch nicht gesehen!

Auf dem Foto seht ihr Doivner, einen kleinen Jungen der unbedingt ein Foto machen wollte als er meine Kamera gesehen hat. Ist er nicht süß?




Gestern sind wir abends nach Tana, also in die Hauptstadt, gefahren. Zu diesem Anlass haben wir uns alle ein wenig aufgehübscht, ich hab mich sogar geschminkt - zum ersten Mal seit ich hier bin! Wir sind mit zwei Taxis zu einem super schicken französischen Restaurant in einer reichen Gegend von Tana gefahren.

Dort angekommen haben wir erstmal ein paar Bier getrunken. Aufgrund des Rugby Spieles zwischen Neuseeland und Australien, welches live übertragen wurde, gab es jedes zweite Bier gratis. Das mussten wir natürlich ausnutzen!


Dann haben wir gegessen. Das Essen war wirklich unfassbar lecker, ich hatte Entenragout mit Kartoffelpüree. Für madagassische Verhältnisse war das Essen aber auch unfassbar teuer, ich habe 22.000 Ariari, umgerechnet 6 Euro, bezahlt. Das können sich hier wirklich nur die Reichen leisten.

Nach dem Essen gab es noch Rum auf Kosten des Hauses, den das Restaurant selber herstellt. Ich habe Rum mit Vanille Aroma probiert, sehr stark aber auch sehr lecker!


Wir haben uns dann noch schnell auf die Toilette verkrümelt, da ja Halloween war. Mit Lippenstift, Kayal und ein paar Accessoires haben wir unser Bestes gegeben, uns Halloween mäßig zu transformieren. Hat finde ich nicht zu schlecht geklappt!



Denn nach dem Restaurant ging es für uns noch weiter zum "Madagascar Underground", dem einzigen Hostel in Tana. In diesem Hostel gibt es auch eine Bar, in der wir uns alle noch einen Drink genehmigt haben. Für mich gab es einen Mojito für umgerechnet 1,50 Eur. Wir haben noch ein bisschen gequatscht und dann ging es auch schon wieder nach Hause.

Ich fand den Abend insgesamt wirklich schön. Wir waren aber in einem reichen Teil von Tana und dementsprechend waren im Restaurant und Hostel fast nur andere Vazah, also Weiße. Das war irgendwie komisch, so eine Gettoisierung der Reichen, immer schön darauf bedacht mit dicken Autos auch zu zeigen wie viel Geld man hat. Solche Ausflüge in die Scheinwelt machen wir aber wirklich selten, und einen Abend lang kann es auch gut sein mal zu vergessen, mit was für einer krassen Armut wir hier jeden Tag konfrontiert werden.

Jetzt sind wir aber definitiv erstmal zurück in der Realität und werden weiterhin mit der Arbeit im Kinderheim und in der Schule versuchen, unseren Teil dazu beizutragen, das Leben von wenigstens ein paar Kindern hier ein bisschen schöner zu machen.

Heute bin ich übrigens auf den Tag genau 4 Wochen hier. Die Zeit rennt aber es ist auch erstaunlich, wie schnell man sich an ein komplett anderes Leben gewöhnen kann. Wasser- und Stromausfall gehören mittlerweile zum Alltag und auch nichts wirklich planen zu können.

Lasst es euch gut gehen!
Eure Rieke   

Sonntag, 25. Oktober 2015

Kranksein ist doof

Ihr Lieben,

Kranksein ist doof! Das hat mir die letzte Woche leider überdeutlich gezeigt.
Seit Montag lag ich nur im Bett, geplagt von heftigen Magenkrämpfen und unfähig, mehr als ein Brot am Tag zu mir zu nehmen. Am Do
nnerstag hatte ich dann endgültig genug und die liebe Ony, sie ist hier für uns Freiwillige zuständig, ist mit mir zu einem Arzt zwei Dörfer weiter gefahren.

Dort wurde ich von besten europäischen Standards und einer lieben Ärztin begrüßt. 
Zu verdeutlichen, was mir fehlte, war gar nicht so einfach. Die Ärztin hat nur Malagasy und Französisch gesprochen, Ony nur Malagasy und Englisch und ich Englisch und bröckchenweise Französisch. 

Aber irgendwie hat die Kommunikation geklappt und mir wurde direkt eine Infusion gegen die Krämpfe und zum wiederaufpäppeln gelegt. Die habe ich nach 20 Std nichts essen und 15 Std nichts trinken aber auch dringend gebraucht. Am Ende konnte mein Magen nämlich nicht einmal Wasser vertragen. 

Ich bekam ein Antibiotikum, ein Mittel zum besseren Vertragen von dem Antibiotikum, einen Krampflöser und etwas gegen Durchfall verschrieben. Vollgepackt und mit meiner eigenen kleinen Apotheke ging es dann wieder zurück nach Hause.

Die Infusion hat zum Glück sehr schnell ihre Wirkung gezeigt und Dank des zweimal täglichen Medikamentencocktails geht es mir seit Donnerstag stetig besser und ich kann wieder fast normal essen und trinken.

Ihr könnt euch also vorstellen, dass ich in der letzten Woche nicht so viel erlebt habe, was ich hier auf meinem Blog mit euch teilen kann.

Ich lag die meiste Zeit im Bett und auf dem Sofa und habe mir die Zeit mit meinen elektronischen Gerätschaften und guten und schlechten Büchern vertrieben. Meine wärmste Empfehlung kriegt „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Wirklich sehr sehr spannendes, anders geschriebenes Buch über das Leben eines Mädchens im zweiten Weltkrieg. Alle lesen! 

Tatsächlich habe ich in der letzten Woche nur 4 Mal das Haus verlassen, aber immer nur kurz um Wasser oder eine andere Kleinigkeit zu kaufen. Als ich im kleinen Shop um die Ecke Zwieback entdeckt habe war ich über die Maßen glücklich!

So sieht unser trautes Heim übrigens aus:


Für madagassische Verhältnisse leben wir den puren Luxus. Wir haben eine Dusche mit warmen Wasser, ein Sitzklo und einen Gasherd.

Trotzdem ist das Zusammenleben hier nicht immer einfach. Wir sind mittlerweile immerhin 8 !!! Mädels im Haus. Aber bis jetzt reißen wir uns alle gut zusammen, und wenigstens auf dem Papier sind wir ja auch alle keine 13 mehr.

Viel mehr gibt es von mir diese Woche leider nicht, nur noch zwei Fotos um euch ein wenig die Gegend zu verdeutlichen, in der wir leben. 



Nächste Woche fange dann auch ich endlich mit dem Unterrichten an. Ich halte euch auf dem Laufenden!

Lasst es euch gut gehen,
eure Rieke

Sonntag, 18. Oktober 2015

Einmal die Natur Madagaskars zum Mitnehmen, bitte

Nachdem ich mich von den leider ja schon vorhersehbaren ersten Magenbeschwerden erholt hatte stand dieses Wochenende wieder ein Trip an. Und was für einer!

Los ging es am Samstagmorgen um 7 Uhr. Ich und fünf andere Freiwillige, die seit neuestem auf Madagaskar sind, hatten uns für einen Trip zu einem Nationalpark entschieden. Keiner von uns ist länger als 3 Wochen hier, aber Dank viel Unterstützung haben wir es trotzdem organisiert bekommen.

Mit diesem Auto waren wir unterwegs
Unser Fahrer hat uns mit seinem Auto von zu Hause abgeholt. Wir hatten 140 km vor uns. Das klingt nicht viel, hier braucht man für eine solche Strecke aber ganze 4 Stunden. Das liegt an den schlechten Straßenverhältnissen und am Weg. Es ging Kurve um Kurve um Kurve, und zum Glück wurden wir vorgewarnt und konnten dank Reisetabletten gegen Übelkeit verhindern, dass jemand von uns spucken musste.

Der erste Stopp war ein kleiner Park, den uns unser Fahrer empfohlen hatte. Ich war ziemlich enttäuscht, da es sich eher um einen Zoo als einen Regenwald handelte. Die Tiere konnten wir zwar alle von ganz nahem sehen und wenn wir wollten auch anfassen, aber nur, weil sie den ganzen Tag in ihren Käfigen vor sich hinvegetieren. Ich bin kein großer Fan von der Idee Tiere in Gefangenschaft zu halten und habe mich deshalb zurückgehalten. Ein paar schöne Fotos habe ich trotzdem gemacht.

Hier leben die Chamäleons 



Ein Tenrek, ein igelaritges Tier, das nur auf Madagaskar lebt 


Ein Kometfalter
 Danach sind wir zu unserer Unterkunft für die Nacht gefahren. Wir konnten jeweils zu dritt für etwas mehr als 10 Euro die Nacht  in diesen tollen Bungalows schlafen.


Wir hatten an diesem Tag aber noch so einiges vor bevor es ins Bett ging!

Zunächst fuhr unser Fahrer uns zu einer künstlich angelegten Insel, auf der Lemuren leben. Lemuren können nicht schwimmen und können deshalb nicht von der Insel runter. Im Gegensatz zu den Käfigen, die wir am Vormittag gesehen hatten, hatten die Lemuren wenigstens eine ganze Insel um sich auszutoben. Mit diesen kleinen Boten wurden wir auf die Insel rübergeschippert. 


 Die Lemuren sind, ganz entgegen ihrer Natur, sehr nah an die Menschen gekommen, da sie an sie gewöhnt sind. Wir konnten sie mit Bananen füttern und dabei sind sie auf uns geklettert. Es war super interessant und die Lemuren waren so süß und ich hätte gerne einen zum Kuscheln für zu Hause!

Drei verschiedene Lemurenarten leben auf der Insel.




Abends sind wir dann mit einem Guide an der Straße entlang des Nationalparks spazieren gegangen.  Nachts darf man nicht in ihn, da die Tiere auch mal ihre Ruhe brauchen. Aber auch entlang der Straße waren die Geräusche unfassbar interessant und wir konnten einiges sehen.


 Gehört haben wir nachtaktive Lemuren, Baum- und Wasserfrösche und gesehen haben wir Chamäleons, Frösche und die kleinste Lemurenart.


 Die kleinen Lemuren wurden, wenn sie von unserem Guide entdeckt wurden, mit sehr sehr hellen Taschenlampen und einem Laserpointer angeleuchtet. Auf unsere Frage, ob sich die Kleinen nicht erschrecken würden und er meinte ja, sie würden sich oft vor Angst einkoten und es sei auch schon vorgekommen, dass die Tiere vor Schreck gestorben sind, haben wir dann beschlossen, uns nur noch aufs Hören zu konzentrieren. Unser Voyeurismus kennt definitiv Grenzen!

Wir haben dann eine schöne Nacht in den Bungalows verbracht, ich mit Marie und Lilly und viel Klassenfahrtsgefühl. 

Morgens wurden wir von den Schreien der Indri, der größen Lemurenart, geweckt. Ein einmaliges Geräusch, hier habe ich ein Hörbeispiel gefunden:

Früh ging es dann für uns auf eine dreistündige Wanderung durch den Regenwald, wieder mit dem Guide vom Tag vorher. Wir haben so so viel gesehen! Und alles freilebende Tiere. Endlich! Hier nur ein paar Ausschnitte. 

Der Regenwald 
Unser Guide neben einer typischen, riesigen Pflanze
Ein Giraffenhalskäfer



Der Nationalpark in dem wir waren ist mit der einzige Madagaskars, in dem man auch die Indri sehen kann. Indris leben monogam und haben in ihrem Leben nur einen Partner. Stirbt dieser bleiben die Tiere bis zum eigenen Tod alleine. Und sie werden immerhin zwischen 40 und 60 Jahre alt! Wir konnten eine Mutter mit ihrem Baby beobachten.


 Leider war auch hier nicht alles so idyllisch wie es aussieht. Es gab eine regelrechte Jagd um ein Foto der Indri, und Menschenansammlungen dieser Größe waren keine Seltenheit. So konnten die Tiere auch hier nicht wirklich wie in Freiheit leben, sondern immer von Menschen verfolgt.


Ich finde es ist ein ganz schmaler Grat auf dem man sich bewegt, wenn man Tiere beobachten möchte. Viele der Tiere, die ich in den letzten Tagen sehen konnte, sind endemisch, das heißt sie leben nur auf Madagaskar. Ohne zooartige Anlagen und / oder das Stören ihres normalen Lebensraums wäre es definitiv nicht möglich, diese Tier von so nahem zu sehen. Aber dafür, dass wir sie beobachten können, müssen die Tiere einen ganz schön hohen Preis zahlen. Dieser ist meiner Meinung nach im ersten Park, in dem wir waren, und bei der Nachtwanderung zu groß. Auch auf der Lemureninsel und im Regenwald konnten die Tiere dank der Touristen kein ganz normales Leben führen. Für mich war das Ausmaß hier aber noch vertretbar und ich würde beide Plätze wieder besuchen. 


Und ehrlich, so schön zusammen gelacht wie mit diesem Lemur habe ich selten. Hoffen wir also, dass alle Tiere unseren Besuch dieses Wochenende gut überstanden haben! Ich habe auf jeden Fall unfassbar viele neue Eindrücke bekommen und viel gelernt.

Nächste Woche beginnt dann für uns wirklich das Unterrichten. Ich bin gespannt!

Lasst es euch gut gehen,
eure Rieke 

Sonntag, 11. Oktober 2015

What a wahnsinns Wochenende

Was wür wein Wochenende!
(Ja, ich liebe Alliterationen)

Schon der Freitagabend startete perfekt. Wir waren mit allen Freiwilligen und Kate, die die Organisation leitet, bei einem kleinen madagassischen Restaurant um die Ecke essen. Rischtisch lecker sag ich euch! Da es keinen Strom gab haben wir bei Kerzenschein gegessen. Meine Kamera lässt das ganze Dank des Blitzes ziemlich hell wirken, wir hatten es aber ganz schön muckelig!



Zum Essen hier gibt's demnächst einen eigenen Post, da habe ich viel zu viel zu erzählen.

Mit der Verständigung ist es übrigens ziemlich kompliziert, und nicht zu selten ist mein Kopf abends nur noch Matsche. Marie und ich unterhalten uns auf Deutsch. Die Polinnen sprechen untereinander Polnisch. Wenn wir alle zusammen sind sprechen wir Englisch. Mit den Einheimischen sprechen wir Französisch und einige Kinder und Einheimische sprechen wiederum nur Madagassisch. Aber ich gewöhne mich langsam an diesen Mix und mein eingestaubtes Französisch wird auch immer besser!

Am Samstag bin ich das erste Mal mit einem Taxi-Brousse gefahren. Was ein Erlebnis! Es handelt sich um einen Mercedes Bus, in dem viele Sitzplätze zum Mitfahren geschaffen wurden, quasi ein Taxi nur als Bus, wie der Name vermuten lässt.
Wenn ich viele Sitzplätze sage, dann meine ich viele. Einmal waren wir mit 34 Leuten in so einem kleinen Bus unterwegs. Keine Ahnung wie das funktionieren kann, aber es hat funktioniert!

In den Bussen läuft typische madagassische Musik, was wirklich ziemlich entspannend ist. In einem Bus hing sogar ein kleiner Fernseher, in dem die passenden Musikvideos liefen. Super lustig!

Mit einmal Umsteigen haben uns die Taxi-Brousse dann zu unserem Ziel gebracht: Einem Pool! Die Anlage war super schön und es gab einfach nichts besseres, als bei den gerade vorherrschenden 30 Grad in den Pool zu springen, dann auf der Liege zu entspannen, in den Pool zu springen, auf der Liege zu entspannen und immer so weiter. Wir waren 4 Stunden da und das war wie Mini-Urlaub.


Natürlich können sich nur reiche Madagassen den Besuch solch eines Pools leisten. Der Eintritt betrug 7500 Ariari, umgerechnet ca. 2,50 Euro, aber ich habe ja im letzten Post schon gezeigt, wie viel Geld das hier ist.

Wirklich entspannend war, dass niemand am Pool uns komisch angeguckt hat. Dafür sind dort einfach zu oft andere Weiße. Da man es wirklich vermisst, einfach über die Straße gehen zu können ohne eine große Attraktion zu sein, war die Zeit am Pool sehr erholsam.


Heute ging es dann mit dem Taxi-Brousse nach Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, von der wir nur 15 km entfernt wohnen. Bis ins Zentrum braucht man aber wegen der schlechten Straßen ungefähr eine dreiviertel Stunde.

Hachja, ein kleiner Touch Hollywood!
Unser Ziel war das Hiragasy. Dabei handelt es sich um einen Musikwettbewerb, der von August bis Oktober in Tana (Kurzform für Antananarivo) stattfindet. Mehrere Musikgruppen, die klassische madagassische Musik machen, treten gegeneinander an. Dabei tragen die Teilnehmer typische Klamotten. Die Texte der Gruppen handeln von aktuellen politischen Themen und es war schade, dass ich (noch) nichts verstanden habe.
 Das Publikum entscheidet dann wer weiter kommt. Eigentlich wie eine Castingshow, die es ja bei uns im Fernsehen zu Haufe gibt, nur ohne den Fernseher dazwischen.

Ich habe ein Video aufgenommen, nur leider ist das zu groß um es hier hochzuladen und mein Laptop schafft es auch nicht, das kleiner umzuwandeln. Ich werde aber noch mein Bestes geben und es dann hoffentlich bald noch nachreichen! Bis dahin hier nur ein Foto.


Unser Weg zurück hat uns eine ewig lange Treppe hinunter geführt - ich schwöre das waren mehr Stufen als beim Eiffelturm! - aber dafür auch einen unfassbaren Blick über die Stadt beschert.



Damit verabschiede ich mich erstmal.

Eure Rieke

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Ein erster Bericht

Ich bin erst 4 Tage hier und habe schon das Bedürfnis, einen Blogartikel zu verfassen. Ich hoffe ich nerve euch nicht, aber es ist einfach schon zu viel passiert!

Todmüde kam ich Montagmorgen um 2 Uhr am Flughafen Antananarivo an und wurde von Irmina, einer anderen Freiwilligen, und einem Fahrer zu unserem Haus gebracht. Dann ging es nur noch schnell ins Wlan, um Mama und Papa Bescheid zu geben, dass ich die Reise überstanden hatte, und dann ab ins Bettchen.

Nach mehr oder weniger erholsamen Schlaf - mein Kopf war einfach zu voll - richtete ich mich dann heimisch ein. Unser Haus ist wirklich ok, für madagassische Verhältnisse purer Luxus! Ich teile mir mit Marie, einer anderen Deutschen, ein Zimmer.

In der nächsten Woche kommen noch 3 andere Freiwillige an, sodass wir dann mit 7 Mädels hier Hausen werden. Wir sind alle zwischen 18 und 39 Jahre alt. Und es gibt noch eine andere Freiwillige, die aber direkt bei der Schule wohnt, Ella, eine 65 jährige Polin. Wie cool ist das bitte?!

Auf dem Weg zur Schule

Arbeit - Was mache ich den ganzen Tag?


Nachmittags helfen wir im Kinderheim aus. Wir spielen mit den Kindern Fußball, Tennis, puzzeln oder basteln. Die Arbeit macht richtig viel Spaß, da die Kinder total aufgeweckt und lebenslustig sind Es ist unfassbar, wie schnell die Kleinen innerhalb der letzten 4 Tage Vertrauen zu mir aufgebaut haben. Zur Begrüßung gibt es stürmische Umarmungen und zum Abschied Küsschen.


Gestern haben wir an der Schule, die die Organisation auch unterstützt, Sachspenden an die Kinder verteilt, die Teil des Virtual Adoption Programmes der Organisation sind. Das war super anstrengend, da jedes der 216 Kinder die richtigen Schreibhefte, Stifte und Lineale brauchte. Aber es war eine sehr erfüllende Arbeit, da sich die Kinder sehr gefreut haben.

Anstehen für die Spenden...
...aber das Warten lohnt sich!

Heute hat die Schule offiziell begonnen und ab nächster Woche werden wir anfangen Englisch zu unterrichten. Das wird spannend, da die Klassen 40-60 Schüler groß sind und man nur einfachste Lehrmittel zur Verfügung hat, z.B. nur ein Schulbuch pro Klasse. Aber wir machen das Beste daraus!

Heute morgen haben wir die Vorschüler, die alle erst 3 Jahre alt sind, an ihrem ersten Tag in der Schule betreut. Es war ein totales Chaos und viele Kinder haben hemmungslos geweint. Andere fanden es super mit anderen spielen zu können. Unsere Aufgabe war dann hauptsächlich das Ablenken der weinenden Kinder und das Spielen mit den anderen.
Die Schuluniformen für die kleinen Kinder hier sind pink, das ist so niedlich!



Das ist Marie - mit ihr teile ich mir ein Zimmer.
Wir waren auch noch kurz im Klassenraum der Vorschüler. Die Klassen sind aufgeteilt in Jungen und Mädchen, ich war in der Mädchenklasse. Da waren 80 Mädchen. In einem Klassenraum! Da ist Unterrichten nicht wirklich möglich, vor allem wenn immer noch einige Kinder weinen. Eigentlich sollte ein Film gezeigt werden, aber da es keinen Strom gab musste improvisiert werden. Wir haben dann Lieder gesungen, und seit heute kennen die Kinder Head, and shoulders, knees and toes!


Der Klassenraum der Mädchen

Alltag - Wie ist das Leben hier?


Es ist schon komplett anders. Andauernd gibt es kein Wasser. Mir war vorher nicht klar, wie viele Konsequenzen das mit sich zieht: Du kannst nicht kochen, nicht abwaschen, nicht duschen, nicht spülen, nicht trinken. Natürlich haben wir hier ein paar Vorkehrungen für den sehr wahrscheinlichen Fall der Fälle, z.B. immer ein paar volle Wasserflaschen und in der Toilette einen Eimer voll Wasser, mit dem man dann spülen kann. Elektrizität fällt ebenfalls ab und zu aus, das ist aber nicht so schlimm. Wir haben Kerzen und man kann sich ja doch auch mal ohne Internet beschäftigen.

Was mich geschockt hat ist die vorherrschende Armut. Natürlich wusste ich, dass ich in eines der ärmsten Länder der Welt fahre. Aber wie arm, davon kann man sich vorher kein Bild machen. Ein Lehrer verdient hier z.B. 60.000 Ariari im Monat. Das sind 20 Euro. Versucht mal, mit 50 Cent am Tag zu leben! Auch wenn die Lebensmittel hier billig sind, ein Kilo Kartoffeln kostet 1000 Ariari, ca. 30 Cent. Wenn du aber pro Tag nur 2000 Ariari zur Verfügung hast, dann ist das trotzdem viel Geld. Vor allem wenn man noch Kinder zu versorgen hat!

Und trotzdem - die Menschen auf Madagaskar sind freundlich, höflich und wirken zufrieden. Ich bin gespannt, was ich die nächste Zeit noch so erlebe und werde euch auf dem Laufenden halten!


Hier noch ein Lebenszeichen von mir, da ich tatsächlich auf keinem der anderen Fotos bin, hihi.

Ich könnte noch so viel mehr erzählen, aber das war es erstmal für heute.

Lasst es euch gut gehen!
Rieke